tilbaka
Liselotte Rauner

Türkischer Kaffe.

Ich kam Punkt drei Uhr in die Halle. Heidi war schon da. Wir hatten noch Zeit für eine Tasse Kaffee. Unser Zug fuhr erst in einer halben Stunde. Also rein in den Wartesaal.

"Sieh dir das doch an", sagte Heidi, "alles Gastarbeiter. Die tun, als ob sie hier zu Hause wären. Jeden Tisch haben sie belagert. Wenn du dich zu denen setzen willst...." "Warum denn nicht?" Wir fanden noch zwei freie Stühle. Hatten auch Platz genug für unser Gepäck. Die Männer rückten etwas zur Seite. Türken, dachte ich. Man kannte sie aus, mit der Zeit. Auch ohne fremde Sprachen zu verstehen. Eine Türkin macht meine Röcke kürzer oder länger. Je nach Mode. Die Mülltonnen leert ein Mann aus Athen. Das Heizöl füllt ein Iraner in den Tank. Mein Arzt im Spital war aus Ghana. Und gesund gepflegt hat mich eine Koreanerin. Da hat oft eine Geste genügt. Und ein Lächeln kann mehr sagen als Worte.

"Es wird Zeit für uns", sagte Heidi. Der Ober ließ auf sich warten. Wir legten das Geld auf den Tisch.Die Türken wünschten uns gute Fahrt. Da ahnte ich noch nicht, dass meine Reise bald zu Ende war.
Wir hatten ein Abteil ganz für uns. Ich konnte also in Ruhe lesen." Fass mal an", sagte Heidi. "Die Koffer müssen nach oben. So jetzt noch die Beutel und das Radio. Noch was?" "Ja...., wo ist meine Tasche?" "Sag bloss, die hast du zu Hause liegen lassen." "Nein...., im Wartesaal." "Bei den Türken? Dann ist sie weg. Was war dann drin?" "Fahrkarte und Pass und Geld für den Urlaub." "Das siehst du nicht wieder. Die Türken haben doch alle kein Geld. Die Hälfte ihres Lohnes geht in die Türkei. Ihre Kinder und Frauen wollen ja auch leben. Und dann die teuren Mieten hier. Gastarbeiter müssen ja für ein Zimmer mehr zahlen als wir für drei."
Als der Zug hielt, stieg ich aus. Eine Stunde später war ich wieder in Bochum.

Der Beamte, den ich fragte, machte mir Mut. "Hier bleibt jeden Tag was liegen. Viele Leute holen ihre Sachen nicht mal ab. Die glauben wohl nicht an ehrliche Finder."

Der Beamte nahm mich mit in sein Büro. Hier lag nichts vor. Das heisst, meine Tasche war nicht da. Ein junger Mann hob den Hörer ab. Er fragte: " Ist bei euch was abgegeben worden? So, eine Tasche? Aha, was für eine....? Gut, ich rufe wieder an."

Gott sein Dank, sie war also da. Der Beamte nahm Kuli und Papier. Es waren noch ein paar Angaben nötig. "Also, wie sah Ihre Tasche denn aus? Grösse...? Farbe...? Inhalt...? Schön, das genügt. Kann ich dann bitte Ihren Ausweis haben?" "Der ist doch in der Tasche." "Ach, ja, das wäre denn alles. Wir rufen 

Sie an. Ich meine, wenn sich Ihre Tasche findet." "Aber sagten Sie nicht eben, sie wäre da?" "Es ist eine Tasche hier. Sie gehört aber nicht Ihnen. Es tut mir leid."

Ich stand wieder in der Halle. Da war wohl nicht mehr zu hoffen. Man gibt seinen Fund gleich ab oder gar nicht. Jetzt brauchte ich einen Kaffee. Gut, dass Heidi mir Geld gegeben hatte. Ich ging in den Wartesaal. Sah sofort, dass die Türken noch da sassen. Aber einer fehlte. Ich fragte die beiden Männer nach meiner Tasche

Es sah aus, als freute sie meine Frage. "Ja, Tasche hier, alles gut!" Mir fiel ein Stein vom Herzen. Da spielten mir die Türken eine kleine Szene vor. Mit Händen und Füssen. Jetzt war mir alles klar. Der dritte Mann hatte die Tasche. Er war aber nicht mehr hier. War weg damit, auf und davon. Heidi hatte recht.

Ich nahm ein Taxi, fuhr nach Hause. "Schön, dass du wieder da bist", sagte Mutter. "Du hast Besuch. Komm mal rein, es gibt türkischen Kaffee." Im Wohn-zimmer sass der dritte Mann. Er stand auf, sagte: "Bitte schön, Ihre Tasche."

verkefni 20

efst